Ölteppichetreiben auf dem Wasser vor der Südspitze Sylts, Seevögel mit verklebtemGefieder sitzen am Strand. Um auf solche Szenarien vorbereitet zu sein, habenHelfer vor und auf Sylt und Föhr einen Ölunfall simuliert. Mit Popcorn.

 

HÖRNUM | Männer und Frauen in hellen Schutzanzügen knien am Strand von Hörnum auf Sylt . Sie tragen Atemschutzmasken und Sicherheitsschuhe. Langsam bewegen sie sich in der Hocke und mit einem Kescher auf einen Vogel zu. Sie wollen ihn zu fangen und vom Öl befreien, damit möglicherweise noch retten. Ähnliche Szenen spielen sich in Utersum auf der Nachbarinsel Föhr ab.Bei einer Katastrophenübung unter Leitung des Havariekommandos Cuxhaven haben am Samstag etwa 180 Einsatzkräfte geprobt, wie sie nach einer simulierten Schiffskollision auslaufendes Öl bekämpfen können.

 

Neben dem Einsatz an Land wird auch auf dem Wasser das Zusammenspiel verschiedener Hilfsorganisationen trainiert. Vor dem Strand haben Spezialschiffe Ölsperren errichtet und versuchen, einen Ölteppich vom Abdriften auf die Küste zu hindern. Dieser „Teppich“ entstand für den Übungsfall aus rund zwei Kubikmetern Popcorn, das ähnliche Eigenschaften wie Öl hat und sich auf dem Wasser verteilt.

Dass so ein Notruf die meist ehrenamtlichen Helfer auch in der Realität erreichen kann, ist nicht unwahrscheinlich. „Kollisionen auf Seefinden immer statt, das Szenario ist also durchaus realistisch“, sagte der Sprecher des Havariekommandos, Michael Friedrich .

 

Manfred Ueckermann vom Landschaftszweckverband Sylt befürchtet,dass solche kritischen Situationen durch den Ausbau der Offshore-Windenergiesogar zunehmen könnten. Die Schiffe müssten ja fast Slalom um die Anlagenfahren, da werde das Risiko einer Kollision größer.

In den vergangenen zehn Jahren sind die Küsten der deutschen Nordsee zwar nicht von großen Ölkatastrophen betroffen gewesen. Manchmal war aber durchaus Glück im Spiel: So war Mitte August 2012 ein mit 87.000 Tonnen Rohöl beladener Tanker in der Nähe einer Vogelschutzinsel im Wattenmeer nördlich von Wilhelmshaven auf Grund gelaufen. Die Hülle hielt aber.

In schlechter Erinnerung ist vielen Menschen allerdings noch das Unglück, das die Gründung des Havariekommandos zur Folge hatte: 1998 trieb der Holzfrachter „Pallas“ brennend durch das Wattenmeer, strandete vor der nordfriesischen Insel Amrum und richtete eine Umweltkatastrophe an. Die Behörden schätzten die Lage falsch ein und waren wegen unklarer Kompetenzen und mangelnder Ausrüstung überfordert. Bei großen Notfällen koordinieren die Spezialistendes 2003 gegründeten Havariekommandos nun die Einsätze.

Abgenommen hat in den vergangenen Jahren die Zahl der Ölsünder,die ihr Altöl im Meer einfach verklappen. Dies liege zum einen an den Überwachungsflugzeugen des Havariekommandos, sagt Friedrich. Seitdem die beiden Flieger des Kommandos täglich die Hauptschifffahrtsrouten überwachten, sinke in der Tendenz die Zahl der Meeresverschmutzungen. Anderseits habe sich auch das Bewusstsein in der Schifffahrt geändert: Umweltschutz sei ein Thema geworden.

Wenn es aber doch zu großflächigen Verschmutzungen kommt,versuchen die Helfer, so viel wie möglich davon bereits auf dem Wasser aufzunehmen. Vor Sylt haben die Hilfskräfte an diesem Samstag ideale Bedingungen dafür. Die Sonne scheint, die See ist ruhig. Denn nur bis zu einer Wellenhöhe von eineinhalb bis zwei Metern kann das Öl gut von der Wasseroberfläche aufgenommen werden. Danach schwappt es mit dem Wasser über die Ölsperren.

Einen richtig harten Job haben an diesem warmen Frühherbsttag die Vogelretter. Sie schwitzen in ihren synthetischen Anzügen. Eigentlich seien immer zwei Stunden Arbeit eingeplant und dann eine Pause, sagt eine Helferin.„Bei diesem Wetter ist aber spätestens nach einer Stunde erst mal Schluss.“Anzüge und Atemmasken wegzulassen, wäre sehr fahrlässig: „Öl und die aufsteigenden Dämpfe sind hochgiftig.“  

von Birgitta von Gyldenfeldt, dpa 

 

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